Rückblick

Xerokratie: Zurück zu den Ursprüngen der Critical Mass

Am Samstag, dem 9. Juli 2022, fand im Koch Areal in Zureich die k-mess statt: Eine Verleger:innen Messe für selbstorganisierte Publikationen. Diese Gelegenheit liessen wir uns nicht entgehen und waren mit dem Kollektiv xerosoph.in mit einem Stand rund um die Geschichte der Critical Mass anwesend. Wir durften an der k-mess einen wunderbaren, nährenden Tag mit vielen Philosophischen Gesprächen rund um die Critical Mass, Xerokratie und Velosophie verbringen. Gerne möchten wir unsere Erlebnisse mit dir teilen.

Vor ca. zwei Monaten hat Phex den Aufruf zur k-mess entdeckt und eingefädelt, dass wir einen Stand haben können. Herzlichen Dank für die Initiative! Leider konnte er krankheitshalber nicht an der Messe präsent sein.

Anfangs hofften wir, dass bis dahin die dritte Ausgabe der xerosoph.in erschienen sein würde. Diese geht voraussichtlich kommende Woche in den Druck. Somit mussten wir uns etwas anderes einfallen lassen. Doch zum Glück war das nicht schwer: Denn wir haben bereits zwei Ausgaben der xerosoph.in und das Internet ist voll von xerosophischen Texten mit historischer Bedeutung.

So machte sich Matteo mit vollem USB-Stick auf den Weg ins Kulturbüro und begann das Archiv auf www.scorcher.org/cmhistory auszudrucken. Dort findest du Texte aus den Jahren 1992 bis 2003 mehrheitlich aus San Fransisco. Da wir auch eine Wand zur Verfügung hatten, sollte es bunt werden. Auch da kein Problem: Zürich hat in vier Jahren Soliposter-Aktion einen künstlerischen Ausdruck für Critical Mass-Aktivist:innen gefunden. Ergänzt mit den Jubiläums-Zines aus den Jahren 1997 und 1998, den zwei Jubiläumsbüchern aus den Jahren 2002 und 2012, verschiedenen Stickers, unserem Tallbike und den zwei Ausgaben der xerosoph.in stand einem informativen und zum Diskurs anregenden Stand nichts mehr im Weg. Natürlich wollten wir auch Menschen einladen, aktiv Teil der xerosoph.in zu werden. So hat Michelle die Informationen rund ums How-To-xerosoph.in zusammengetragen und damit aufgezeigt, wie auch du Teil der xerosoph.in werden kannst. Das How-To findest du übigens hier: How-to-xerosoph.in!

Am Samstag ging es dann um 14 Uhr los. Wir wussten nicht genau was uns erwartet. Und hätten wir Erwartungen gehabt, so wären diese bei Weitem übertroffen worden. Unter dem grossen Dach auf dem Koch Areal war ein richtiges Messe-Gelände mit Tischen und Trennwänden aufgebaut. Und es war bunt! Auf den Tischen lagen bereits Zines so weit das Auge reicht und die Trennwände waren geschmückt mit Postern. Da es auf dem Koch Areal nicht erlaubt ist Fotos zu schiessen, kannst du dir dein eigenes Bild im Kopf erstellen.

Um ca. 15h war dann auch unser Stand fertig. Wie der aussah siehst du auf dem Foto oben. Als wir fertig aufgebaut hatten, kam Maja Wehrli aka. Zunami vorbei und erkannte gleich die xerosoph.in #002. Da sie noch nach einem Stück Tisch suchte, um ihre Vulva-Patches auszustellen, boten wir ihr an, sich zu uns zu setzen. In den Stunden, die folgten, entstand eine schöne Freundschaft mit Maja <3

Nach und nach kamen die Besucher:innen und schlenderten durch die Stände. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Menschen mit spannenden und auch lustigen Critical Mass-Anekdoten zu uns kamen. So hielt ein Mensch bei uns am Stand, der uns erzählte, dass er in den 90er-Jahren in San Fransisco als Velokurier arbeitete und auch bei der Critical Mass mitfuhr. Er hatte sich in dieser Zeit auch ein Tattoo stechen lassen, inspiriert aus einem holländischen Velo-Magazin. Als er uns seine Tättowierung auf seinem Rücken zeigte, erkannten wir sofort die Critical Mass-Faust. Lachend meinte er: "Wisst ihr, damals kannte diese Faust niemand. Und heute ist sie quasi das Logo der Critical Mass!"

Kurz darauf hielt ein Mensch verdutzt an unserem Stand, nahm das Jubiläums-Zine aus 1998 in die Hand, zeigte auf die Karikatur und meinte: "That's Willy Brown!" Er erkannte sofort den damaligen Bürgermeister von San Fransisco, welcher wehement versucht hatte die Critical Mass in San Fransisco zu verbieten. Erfolglos. Dieser Besucher war mega ab unserem Stand begeistert und fragte, ob er ein Foto von unserem Stand machen dürfe, denn er sei ein Freund von Chris Carlsson und wolle ihm ein Foto schicken. Chris ist der Herausgeber der zwei Jubiläumsbücher und die meisten Texte, die wir dabei hatten waren von ihm geschrieben. Krass! Das hat uns mega gefreut.

Es kamen weitere interessierte Meschen zu uns: Einige erkannten das Soli-Poster vom letzten Jahr, andere wollten das Tallbike fahren und wieder andere waren verblüfft zu erfahren, dass die Critical Mass bereits seit 1992 existiert. Unser Magazin fand jedenfalls ganz einfach neue Abnehmer:innen.

Wir wurden auch zur Anlaufstelle für Menschen, die die Entwicklung der Critical Mass mit Sorge betrachten. So kam ein Mensch und meinte nur knapp: "Heute ist es wohl eher eine Un-Critical-Mass". Leider kam hier kein Gespräch zustande. Ein weiterer Mensch kam ein wenig aufgewühlt zu uns und meinte, dass ihm die Entwicklung des Dialogs zwischen des sogenannten "Antirep" und der Polizei Sorgen bereite und dass das aufhören solle, denn es schade der Bewegung zu sehr. Ihn konnten wir einladen, seine Gedanken in einem Text zu formulieren um damit den aktuell notwendigen Diskurs in Zürich voranzubringen. Gerne werden wir den Text mit dir teilen, sobald wir ihn erhalten haben.

Eine weitere bereichernde Begegnung war die mit Maja Hürst, einer Künstlerin aus Zürich. Sie war vor ein paar Jahren aktiv bei der Critical Mass in Zürich und hat auch schon auf der ganzen Welt an Critical Masses teilgenommen. Sie hat uns auf eine Zusammenarbeit eingeladen, was wir sehr gerne annehmen. Wir sind gespannt was entsteht!

Ein richtiger Hingucker war natürlich auch das Tallbike! Viele Menschen liessen es sich nicht nehmen und fuhren zum ersten Mal Tallbike. Und ihre Gesicher strahlten! Dann kam ein etwa 10-jähriges Kind und wollte auch fahren. Matteo half ihm, auf das Tallbike hochzuklettern. Auch wenn es nicht auf dem Sattel sitzen konnte, pedalieren ging. So hielt Matteo anfangs das Tallbike und das Kind begann zu pedalieren. Es fuhr mega stabil und schnell genug, so liess Matteo das Tallbike los. Was für ein Bild: Ein Kind fährt ein riiiiiiesiges Tallbike! Wow, was für eine Erfahrung.

Kurz: Die k-mess hat der xerosoph.in und der Zürcher Critical Mass-Bewegung gut getan. Wir konnten dadurch die Critical Mass ein Stück zurück zu ihren Wurzeln bringen: In die Xerokratie, in den persönlichen Austausch über Herrschaftsformen, Anarchie und Gemeinschaft, sowie dazu beitragen, die Critical Mass in einen historischen Kontext zu stellen.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle xerosoph.innen, die vorbeigekommen sind, den Stand mitgehütet haben, uns Getränke gebracht haben. Und ein Big Up an die Menschen von k-set, die die k-mess ermöglicht haben. Schau dir das mal an: www.k-set.net

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