Rückblick

Von Haselnüssen, Burgern und Bienen

Bei der Arbeit auf der Haselnussplantage.

Endlich wieder ein Stadt-Land-Velo-Ausflug – keine Selbstverständlichkeit, mussten wir doch die eigentlich für den Juli geplante Ausfahrt kurzfristig um zwei Wochen vorverschieben. Beim Projekt Stadt-Land-Velo fahren wir (Überraschung!) mit dem Velo aus der Stadt zu einem Hof in der Umgebung. Wir steuern dabei nachhaltig produzierende Betriebe an, helfen dort für ein paar Stunden auf dem Feld und erfahren zugleich etwas über die Anbauweise, die Pflanzen und Böden.

Auf steinigen Wegen …

Unser Ziel an diesem Samstag war eine Haselnussplantage in Mettmenstetten. Der junge Bauer Stefan hat dort im Frühjahr auf einer Fläche von 2.5ha veredelte Haselnussbäume gepflanzt. Diese haben zwar schon ein Jahr in einer Baumschule hinter sich, dennoch ist es wichtig, sie in den ersten Monaten nach dem Einpflanzen von Unkraut freizuhalten. Denn dieses konkurriert mit den Bäumen um Nährstoffe und Wasser. In den letzten Wochen ist das Unkraut wie verrückt gespriesst, so dass die eingangs erwähnte Vorverschiebung unserer Velofahrt nötig wurde.

Wir trafen uns also am Samstag früh in der Nähe vom Sihlcity, um anschliessend über die Albiskette nach Mettmenstetten zu fahren. Da wir alle am Morgen nach der Critical Mass eine Extra-Portion Anstrengung gebrauchen konnten, wählten wir einen besonders steilen Weg von Oberleimbach auf den Albiskamm (Spass beiseite – nächstes Mal nehmen wir definitiv einen anderen Weg!).
Oben angekommen – aufgrund der nötigen Schiebe-Abschnitte war es bereits 11 Uhr – riefen wir den Bauern Stefan an, um unsere verspätete Ankunft anzukündigen. Zu unserer Erleichterung war dies aber überhaupt kein Problem und wir wurden uns schnell einig, zuerst einmal Zmittag zu essen, bevor wir dann am Nachmittag auf dem Feld mithelfen würden.

… mit einem feinen Zmittag …

Tatsächlich fanden wir einen gedeckten Tisch vor, als wir dann eine knappe Stunde später beim Hof ankamen. Stefan hat Hazelburger für uns grilliert, eine köstliche Kreation aus Haselnüssen, Randen und schwarzen Bohnen. Wir hatten fast ein schlechtes Gewissen, uns so reichhaltig verpflegen zu lassen, hatten wir doch auf unserem Ausflug bisher schon ordentlich geschwitzt, aber noch kein einziges Unkraut aus dem Boden gezogen.

Gruppenfoto mit Stefan (2.v.r).

Nach dieser Stärkung ging es dann endlich aufs Feld, welches sich gleich neben dem Hof befindet. In Reih und Glied standen dort die Haselnussbäume, und tatsächlich wucherte das Unkraut ganz schön – besonders die Melden erreichten teils eine Höhe von einem Meter oder mehr. Das Jäten ging aber recht flott, mal zu zweit ins Gespräch vertieft, dann wieder eine Weile den eigenen Gedanken überlassen. In der Nähe des Bienenhauses galt es, sich besonders behutsam fortzubewegen – denn die kleinen Arbeiterinnen hatten gleich zu Beginn mit einem (wie es scheint) gezielten Stich klargemacht, dass ihre Anflugschneise freizuhalten ist.

Die Haselnussbäume waren eigentlich für den Export nach Georgien bestimmt. Als dieser dann nicht zustande kam, hat Stefan die Bäume kurzerhand in der Schweiz eingepflanzt. Dabei ist der Haselnussanbau in der Schweiz bisher höchstens ein Nischengeschäft – praktisch 100% des hiesigen Bedarfs werden aus dem Ausland importiert. Und dies nicht etwa wegen der klimatischen Bedingungen. Vielmehr ist es offenbar schwierig, geeignete Flächen zu finden, und die finanziellen Rahmenbedingungen für den Haselnussanbau sind nicht sehr gut.

Stefan möchte mit seiner Plantage zeigen, dass ein Anbau im grösseren Massstab dennoch möglich ist – auch als einzelne Person in Teilzeit (mit gelegentlich ein paar helfenden Händen wie unseren). Denn Stefan arbeitet nebenbei noch 80% an einem anderen Ort. Die erste Ernte wird in drei Jahren fällig, bis zum vollen Ertrag dauert es etwa zehn Jahre.

… zum verdienten Feierabendbier

Neben uns Velofahrer*innen haben auch Stefans Eltern und ein Kollege auf dem Feld geholfen. So kamen wir schnell voran und konnten uns am Ende bei einem generationenübergreifenden Feierabendbier über die getane Arbeit freuen. Beladen mit jeweils einem Sechserpack Eier von den hofeigenen Hühnern haben wir uns dann auf den Rückweg gemacht – wobei wir etwas geschummelt und unsere Velos in die S-Bahn verladen haben. Die Critical Mass vom Vorabend hat halt doch ein paar Spuren bei uns hinterlassen. ;-)

Neben dem neu erworbenen Wissen über die Haselnuss bleibt aber vor allem die Erinnerung an den extrem herzlichen Empfang auf dem Hof von Stefans Familie. Vielen, vielen Dank dafür – wir kommen sehr gerne wieder!
 

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